Führungskraft im Sprechzimmer
Shownotes
„Wer ist der Bestimmer?“ diese Frage kennen viele von Ihnen sicher aus Kindertagen. Aber auch in der Praxis von Dr. med. Sybille Freund spielt sie eine große Rolle. Wo es früher selbstverständlich war, dass man als Patient schweigend hin nahm, was der Arzt für den Patienten entschied, ist heute die informierte Zustimmung (Fachbegriff „informed consent“) unentbehrlich. Aber wie so oft liegt die Tücke im Detail: wie umfangreich will der Patient informiert werden? In welchem Maß erwartet er von seinem Therapeuten die Vorgabe des richtigen Weges? Über diese schwierige Gratwanderung sprechen Volker Pietzsch und Dr. med. Sybille Freund in der heutigen Folge von „Medizin für Mitdenker“.
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Transkript anzeigen
00:00:02:
00:00:11: Ich bin sehr gespannt, wie der Titel dieser Episode lauten wird.
00:00:14: Ob es da irgendwas aus dem Musikbereich gibt?
00:00:17: Wir werden's sehen!
00:00:19: Es geht heute um die Situation... Ja du hast ja unterschiedliche Menschen vor dir und sie haben unterschiedliche Erwartungshaltungen wenn sie kommen, wie ein solches Gespräch abläuft.
00:00:31: Mhm.
00:00:32: Total, also erst mal differenzieren wir zwischen Patienten die wissen wollen und Patienten die nicht wissen wollen Und das ist schon ganz in der Nähe von Patienten die geführt werden wollen und patienten die nicht geführt Werden wollen.
00:00:43: Früher war es ja so wenn du eine Praxis gegangen bist dass Du zum Arzt gegangen bist hast gesagt ich habe das und das und dann hat er kurz nachgedacht hat gesagt okay Wir nehmen Blut ab Ich untersuch sie jetzt.
00:00:53: Okay, okay Sie kriegen jetzt ein Antibiotikum und Tschüss.
00:00:58: Das war Dann Die Führung.
00:01:00: Da hab ich echt Probleme mit, weil ich nicht übergriffig sein will.
00:01:03: Ich habe jetzt gerade irgendwie gehört ... dass es Patienten gibt, die das nicht hören wollen, aber dann geh ich doch gar nicht zum Arzt eigentlich?
00:01:12: Ja!
00:01:12: Es gibt tatsächlich Patienten, die lassen sich nicht gut führen und die lassen auch in dem lockerem Sinne.
00:01:20: Also... gerade kürzlich mit einem Patienten erlebt, dass ich den Mikronährstoffe aufgeschrieben habe.
00:01:27: Und dann hab' ich von der Anmeldung gehört, das der Patient die abgesetzt hat weil er sie nicht vertragen hat und dass er jetzt auch die nächste Infusionen die Anstand auch nicht machen will, weil er eine Allergie dagegen hat.
00:01:38: Das stimmt wahrscheinlich gar nicht muss ich ehrlich sagen.
00:01:40: in dem Fall.
00:01:42: aber da hätte ich mir doch gewünscht, dass der Patient mich dann anspricht.
00:01:47: Übrigens, ich glaube, ich vertrag das nicht.
00:01:49: Können wir mal darüber reden und dann hätten wir gemeinsam überlegt was wir ob wir etwas absetzen müssen oder ob es ein ganz anderes Thema ist.
00:01:55: ja Was ich nämlich glaube tatsächlich Ja
00:01:59: aber spannend ist doch dann tatsächlich dass Du ja eigentlich so bisschen erkennen musst wen habe ich jetzt da vor mir?
00:02:05: Ist das jetzt jemanden den ich sprechen lassen darf Oder ist das denn jemanden denen ich vielleicht auch ein bisschen anschubsen muss?
00:02:12: also im positiven Sinne
00:02:14: Und es ist manchmal gar nicht so einfach.
00:02:17: Natürlich gibt's die Patienten, die vor mir sitzen und einfach die Arme verschränken und vor sich hinstarren und mir sagen ich hab Kopfschmerzen.
00:02:24: Jetzt mach mal!
00:02:25: Genau da kommen keine Informationen.
00:02:27: Gut aber da bin ich weit genug dass ich mittlerweile sage so wie brauche information von ihnen sie müssen jetzt mit mir reden sonst geht das nicht anders.
00:02:34: Aber es gibt halt auch diese Patienten Die die sich hinsetzen und die sehr unsicher sind.
00:02:42: Manche werden dann sogar aggressiv, wie im Flugzeug.
00:02:44: Also ich hatte dieses Jahr auch schon mal ... Man hört doch immer von Styr dessen, dass Männer die Angst haben im Flugzeuge besonders aggressiv werden?
00:02:51: Ich weiß nicht, ist sie das bekannt?
00:02:53: Für mich ist das so ein Ding was ... Nein,
00:02:55: kann dich noch nicht aber ich kann es mir durchaus vorstellen ja!
00:02:58: Okay wir sind hier in Rhein-Main und ich hab ziemlich viel Styr Dessen und Flugbegleiterinnen und Piloten und so weiter.
00:03:05: mit denen quatsch ich immer mal Und gut da war's halt auch so.
00:03:09: dieser Patient war auf einmal Total rupig und das ganze Team wusste gar nicht, was hier los ist.
00:03:15: Und im Nachhinein haben wir uns dann auch zusammengesetzt und haben über den Fall gerät und festgestellt, der ist einfach unsicher, dem geht es total dreckig!
00:03:22: Den müssen wir jetzt mal mütterlich an die Hand nehmen.
00:03:25: Das kann aber auch zu einer aggressiven Gegenhaltung führen beim Arzt bei der Ärztin.
00:03:29: Also es kann natürlich dazu führen wenn mich jemand anpampt dass ich sage so tschüssi gehen jetzt.
00:03:35: Also, ich finde diese ganzen Situationen sehr interessant.
00:03:38: Ich wünsche mir dann immer von den Patienten, dass sie mir das sagen.
00:03:41: Aber ich glaube manchmal ist es dem Patienten selber auch nicht klar!
00:03:45: Es gibt sicher Patienten, die kommen einfach und denken sich okay, ich werde jetzt geführt von der Ärztin.
00:03:50: Sie sagen... Das höre ich zum Beispiel öfter mal.
00:03:53: Dass ich frage, ich würde jetzt gerne die in die Untersuchung machen?
00:03:56: Ist das für sie ok?
00:03:57: Und dann sagen ganz gerne auch die Männer tatsächlich eher mal Ja, das müssen sie doch wissen.
00:04:03: Und dann denke ich immer, ja okay.
00:04:06: Hat er irgendwo ein bisschen recht?
00:04:07: Aber andererseits habe ich erklärt wieso ich welche Untersuchung mache und dann hätte ich auch gern den Konsent.
00:04:12: also ich hätte gerne die Zustimmung weil ich möchte gerne dass wir das zusammenarbeiten.
00:04:17: aber jetzt bin ich jetzt ganz ganz naiv.
00:04:18: das gehört für mich doch im Prinzip dazu.
00:04:21: das heißt wenn ich mich in medizinische Behandlung begebe dann gehört die zustimmung dann doch zur behandlung dazu.
00:04:29: Für mich ist es auch so, aber es gibt tatsächlich Leute die empfinden das irgendwie als eventuell sogar als Unsicherheit meinerseits.
00:04:37: Das kann durchaus auch sein also dass Leute denken die weiß gar nicht wirklich was sie jetzt mit mir machen will ja sondern
00:04:45: Es gibt ja immer, also ich meine das kennt ja jeder der mal eine Erkrankung hat.
00:04:49: Es gibt oft auch immer mehrere Wege.
00:04:51: Das heißt es gibt dann irgendwie so ein Weg der generell beschritten wird aber es gibt vielleicht auch einen etwas komplizierteren oder anderen Weg oder aufwendigeren Weg und diese Entscheidung möchte doch selbst treffen.
00:05:03: Ja
00:05:04: du!
00:05:05: Aber es gibt tatsächlich Leute die sagen dann... Entscheiden Sie das jetzt bitte für mich?
00:05:10: Und die sagen das gar nicht.
00:05:11: Die leben das eher so, ich glaube denen ist es teilweise auch gar nicht so richtig bewusst.
00:05:14: da spürt dann okay.
00:05:16: in dem Moment muss ich jetzt sagen So wir machen übrigens jetzt das dass das und dann machen sie jetzt Termine aus für diese und jene Therapien und Dann sehen wir uns im vierwochen wieder und sprechen wie es ihnen geht und dann sind die froh dass Ich kann das auch in gewisser Weise verstehen Aber es wäre natürlich eigentlich auch nicht mein Weg muss ich sagen.
00:05:34: aber es ist so dieses Arztbild Weißer Kittel, Arzt sagt wo geht's lang?
00:05:40: und das gibt mir Sicherheit.
00:05:42: Naja also ich erwarte ja schon die Kompetenz.
00:05:44: Das ist ja gar nicht das Thema aber... Also mir fällt jetzt gerade ein so gut vor einem Jahr saß sich bei dir in der Praxis mit... war halt eine Entzündung und ich weiß gar nicht wie nennt man das richtig?
00:05:56: Wir können darüber reden glaube ich.
00:05:57: Wie nennt man das?
00:05:58: Ein Abszess?
00:05:58: oder was war das noch?
00:05:59: War ein
00:05:59: Abszess, ja.
00:06:00: Genau und der war halt schon ziemlich heftig Und ich hatte mich dazu entschieden also Ich als Patient dazu entschieden dass da nicht drin rumgeschnitten wird Sondern dass wir den so holen in Griff kriegen.
00:06:10: und ich habe so ein bisschen panik geschoben tatsächlich
00:06:13: genau.
00:06:13: aber Du hast dann irgendwann gemerkt dass der patient
00:06:18: Genau Wir haben das halt gespült diesen abszess und Panik geschobem ist übertrieben.
00:06:23: Aber ich war schon ich wollte schon dauernd sehen Ich wollte Fotos und ich wollte, dass wir da dranbleiben.
00:06:29: Und dann mach' ich das auch mit dir?
00:06:32: Mir geht's halt nur darum, dass es halt die Wege gibt.
00:06:34: Genau.
00:06:35: Das heißt ... Wenn ein Patient sich dessen bewusst ist, welche Konsequenzen es haben kann... Ja.
00:06:41: ..dass es unterschiedliche Wege gibts.
00:06:43: Und ich glaube, dass das in so einer Arzt-Patientenbeziehung besprochen werden muss.
00:06:49: Und wenn beide einen Weg finden, ja, der auch in Ordnung ist!
00:06:55: Ich finde es auch das Optimum.
00:06:56: Es ist die Überlegung, ob sie operiert werden soll oder ob wir's spülen.
00:07:00: Dann haben wir das besprochen und wieder abgewogen.
00:07:03: Das war an einer etwas heiklen Stelle.
00:07:06: Wir bleiben ganz dicht dran.
00:07:08: Wir spüeln das immer, ob sich zusätzliche Infektionszeichen zeigen.
00:07:14: Fieber oder weitergehende Rötungen ... Dann müsste man schnell reagieren an dieser Stelle, an der das war.
00:07:22: Weil da Gefäße in der Nähe waren.
00:07:24: Und jetzt dieses Beispiel, das heißt Operation wäre im wahrscheinlich schulmedizinischen Alltag die schnelle Lösung gewesen.
00:07:31: Einfach ganz schnell rausschneiden ist erledigt, reilt irgendwie und natürlich ich weiß gar nicht wie lange es ist.
00:07:37: Ich hab's schon vergessen aber es waren dann bestimmt zwei Wochen wo ich jeden Abend in Nierstein war?
00:07:41: Ja genau.
00:07:45: Das sind für mich so diese Beispiele die mir halt einfallen wo ich halt als sage es gibt halt unterschiedliche Wege und die können nur im Gespräch zu Tage kommen.
00:07:55: Und natürlich kann man das nicht mit jedem Patienten machen, das sehe ich sogar ein.
00:07:58: Genau weil es halt immer wieder Patienten gibt die wollen dann auch nicht mehr nachdenken.
00:08:03: Die sagen dann so Ich bin jetzt bei einer Ärztin und sie soll das jetzt gefälligst auch machen Das gibt's tatsächlich!
00:08:08: Ich kann dem... ich kann das auch nicht ganz fühm.. Also ich... Gut Ja, ich weiß auch nicht.
00:08:15: Ich selber würde es diskutieren wollen.
00:08:16: Ich würde alles verstehen wollen was man mir macht.
00:08:18: aber es gibt Leute die wollen dann einfach abschalten und wollen sagen okay ich will jetzt geleitet werden Und das ist halt
00:08:25: toll
00:08:25: wenn diese leute das ansprechen
00:08:28: Dass du dann halt auch weißt woran er ist und dass entsprechend beim scheuern kannst.
00:08:32: Genau weil ich persönlich bin zum Beispiel und ich glaube da gibt's wirklich viele verschiedene Arztärztinnen Typen Wir sehen uns jetzt und dann machen Sie einen Termin in zwei Wochen, in vier Wochen.
00:08:46: Und zack, zack!
00:08:48: Ich will da die Kontrolle haben, sondern ich bin eher so, die gerne mit den Patienten arbeitet aber dem Patienten auch eine gewisse Selbstverantwortung zugesteht ermöglichen möchte.
00:09:01: Ich sage immer jede Entscheidung ist natürlich unsere Entscheidung, weil die Patientin muss ja mit den Konsequenzen leben und deswegen...
00:09:11: Ja ich möchte niemand zu irgendwas drängen.
00:09:13: Deshalb schlage ich immer ganz viel vor!
00:09:16: Das ist ziemlich spannend.
00:09:17: Deswegen haben wir heute tatsächlich in diesem Podcast ... sind wir dem Titel Medizin für Mitdenker mal so richtig gerecht geworden, also bis ins letzte Detail, dass man halt über solche Sachen nachdenken muss?
00:09:39: Genau!
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